Jürgen Wegscheider
Schauspieler

Joachim Ringelnatz-Abend

"Ich bin so knallvergnügt erwacht"

mit Tina-Nicole Kaiser (alternierend mit Eleonore Daniel) und Jürgen Wegscheider



„Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt“ - nach diesem Motto des beliebten Schriftstellers, Kabarettisten und Malers Joachim Ringelnatz präsentieren die beiden Schauspieler Tina-Nicole Kaiser (alternierend mit Eleonore Daniel und Manuela Koschwitz) und Jürgen Wegscheider in ihrer szenischen Lesung „Ich bin so knallvergnügt erwacht“ Einblicke in das Leben von Joachim Ringelnatz und seinem feinsinnigen Humor. Dabei mischen sich Heiteres und Ernstes auf humoristische Weise. Anhand seiner Biographie werden viele ausgesuchte Werke des Meisters des Sprachwitzes zu hören sein - mal unverblümt, mal komisch, mal melancholisch, mal nachdenklich.


Pressestimme

Schwarzwälder Bote, 28.04.2015, Beatrix Müller

(Gastspiel Kleinkunstbühne K 3 in Winterlingen) 

Tiefere Einblicke in das Heitere und Verborgene

Unter dem Titel "Ich bin so knallvergnügt erwacht" hangeln sich Tina-Nicole Kaiser und Jürgen Wegscheider auf der Bühne des K3 mit ihrer abwechslungsreichen szenischen Lesung an der Biografie von Joachim Ringelnatz und seinen facettenreichen Werken entlang. Das geschieht nicht nur mittels Lesung, sondern auch durch Gesang und theatralische Einlagen.

Das Bild des bekannten Malers, Schriftstellers und Kabarettisten mit seinem feinsinnigen Humor erfährt in der Lesung eine Ganzheitlichkeit, indem sie seine tiefgründige und schwermütige Seite beleuchtet. Für ihr Repertoire haben die beiden Schauspieler recherchiert, etwa im Internet, anderes ist aus "Reisebriefe eines Artisten" sowie aus Kurzgeschichten aus den "Meistererzählungen".

Die beiden wollen mit ihrer Lesung "die Lust wecken, sich mit Ringelnatz zu beschäftigen", was ihnen ohne weiteres gelingt, anhand der Werke, die sich im Laufe des Lebens von Ringelnatz angesichts von Krankheit und Tod verändern. Der 1883 in Wurzen geborene Dichter hieß eigentlich Hans Gustav Bötticher. Erste Veröffentlichungen sind in Auerbachs Deutschem Kinderkalender zu lesen: das Ostermärchen und die zwei Geschichten vom Alten Fritz. Nach Seefahrerzeit und Wanderjahren kamen die Auftritte in der Künstlerkneipe Simplicissimus; dort wurde er zum Hausdichter. 1920 heiratet er die Lehrerin Leonharda Pieper und nannte sie Muschelkalk. Ihr widmet er das Liebesgedicht "Die Löcher sind die Hauptsache in einem Sieb, ich habe dich so lieb".

Aus dem "Kindergebetchen" sorgt besonders der dritte Vers für Lacher: "Lieber Gott mit Christussohn, ach schenk mir doch ein Grammophon. Ich bin ein ungezog’nes Kind, weil meine Eltern Säufer sind. Verzeih mir, dass ich gähne. Beschütze mich in der Not, mach’ meine Eltern noch nicht tot und schenk der Oma Zähne." Zahlreiche Gedichte geben die beiden im Wechsel, andere im Dialog zum Besten, wie "Der Komiker", "Schöne Frauen", "Schöne Katzen" und "Humorvolle Spinner" mit der Pointe: "Jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut der andere leise". Heiter geht es weiter mit "der Sänger" und "Es kann kein Mann vor Damenwäsche gähnen".

Schwermütig stimmte den Dichter der Tod seines Vaters, das bringt er mit "Gedenken an meinen Vater" sowie "An meinen längst verstorbenen Vater" zum Ausdruck. 1933 treten die Symptome der Tuberkulose auf, verdeutlicht in "Mensch und Tier": Darin stellt er die Frage: Wieviel Mensch gibt’s, wieviel Tier?

Theatralisch veranschaulicht Wegscheider das Gedicht "Der Nagel und die alte Schraube" – woher auch der Spruch rührt: "Alte Liebe rostet nicht" –, indem er telefonischen Kontakt zu seiner Liebsten aufnimmt. Es erklingt das Volkslied "Wenn ich ein Vöglein wär".

Nach schwerer Krankheit starb Ringelnatz 1934 und wurde auf dem Berliner Waldfriedhof begraben. Der lange Applaus bescherte die Zugaben "Passbilder sind die Rache des Fotografen", und "Leute sind wie Uhren, wenn man sie aufzieht, gehen sie".